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"Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen" (Loriot)

Ist es wirklich das, oder geht es vielmehr darum, dass Männer und Frauen gelegentlich nicht dieselbe Sprache sprechen? Sind nicht einfach nur die Codes unterschiedlich?

Wenn sie sagt: "Schatz, wir müssen reden!", versteht er in den allermeisten Fällen:

"Mann, es gibt was zwischen die Hörner!" oder auch "Mann, Ich muss reden, ich muss dir mitteilen, dass du wieder etwas falsch gemacht hast, dir sagen, wie unvollkommen du bist und was mir an dir wieder nicht gefällt."

Er wird den Teufel tun und sich dem aussetzen, wird sich nicht auf dieses Gespräch einlassen.

Sie hat Gesprächsbedarf, will doch einfach nur den Grund für eine bestimmte Entscheidung wissen, die er gefällt hat, und sie wird ihm zusetzen, so lange, bis er sich schließlich an die Wand gedrängt fühlt und angreift. Der Beginn einer klassischen Eskalationsspirale.

Er: "Was hab ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?"

Sie will dem Konflikt auszuweichen: "Och, nüchts!"

Er: "Bin ich hier in einer Quizsendung, oder was?" Und er stellt eine ganze Reihe von Vermutungen an, indem er sein gesamtes vermeintliches Sündenregister durchgeht und Unterstellungen ausspricht. Und er übertreibt hierbei gelegentlich maßlos.

Sie: "Wo du das gerade gesagt hast, mit etwas ähnlichem hast du mich letzte Woche am Dienstagmittag ganz schön verletzt."

Er: "Was soll ich wieder gesagt haben?"

Hier zeigt sich wieder der unterschiedliche Umgang mit den Dingen zwischen Mann und Frau. Sie weiß noch ganz genau, was er letzte Woche Dienstagmittag zu ihr gesagt hat. Er hat es schon lange vergessen. Vielleicht wird es sogar eine kleine Auseinandersetzung darüber gegeben haben – er hat es vergessen! Er verschiebt bestimmte Rangeleien in irgendein Nirvana, entzieht ihnen somit die Bedeutung, verschafft ihnen kein Forum, und somit auch keinen Stellenwert. Getreu seiner persönlichen Weisheit: Worüber man nicht spricht, das ist auch nicht geschehen. Es ist die Sache nicht wert.

Sie hingegen zerpflückt seine sämtlichen Ausführungen und haut ihm jeden Satz einzeln um die Ohren. Er fühlt sich missverstanden, wünscht sich Bestätigung und findet diese in sich selbst: "Ich hab's gewusst!" War auch wieder mal klar, dass, wenn er sich auf ein Gespräch einlassen würde, es gleich wieder zu einer Auseinandersetzung kommt. Sie hingegen sieht sich als ein Opfer seiner Aggression, völlig zu unrecht niedergemacht und fühlt sich auch bestätigt: "Ich hab's befürchtet!" Dabei übersehen beide ganz, dass sie gemeinsam in das Eskalationskarussell eingestiegen sind, beidemiteinander den Tango Infernale getanzt haben. Wenn jetzt nicht sofort einer aussteigt, könnte das Ganze in einem Zerwürfnis enden.

Wir erinnern uns: Sie wollte doch eigentlich nur wissen, warum er eine bestimmte Entscheidung getroffen hat. Hätte sie ihn nicht einfach nur fragen können: "Schatz, Du möchtest dasunddas? Sagst Du mir auch warum?" Sie hat sich für einen anderen Weg entschieden, weil sie befürchtete, er würde diese Fragestellung als Angriff auffassen und deshalb zum HB-Männchen mutieren. Aber stimmt denn das? Hätte er wirklich so reagiert? Woher nimmt sie die Gewissheit?

***

Gemeinsam mit Partnern, die schon öfter an so einem Punkt gestanden haben, möchte ich versuchen, Wege aus der Eskalationsspirale zu finden. Dabei gilt es, neue Codes und Regeln zu erlernen sowie die Sprache und Verhaltensweisen des anderen zu verstehen. Ist es wirklich wahr, dass er sie nicht mehr liebt, nur weil er zum wiederholten Male vergessen hat, den Klodeckel wieder runter zu klappen? Stimmt es wirklich, dass sie ihn nicht respektiert, nur weil sie zum wiederholten Male vergessen hat, die Zahnpastatube wieder zu zu schrauben? Ist es wirklich alles nur Berechnung gewesen, als sie damals in seinem Betrieb angefangen hatte, und meint sie tatsächlich nur sein Bankkonto, wie er ihr vorgeworfen hat und nicht ihn?

Auch hier haben sich Elemente aus der Lösungs- und ressourcenorientierten Psychotherapie >>> bewährt: Wo befindet sich das Paar, was sind die Stärken eines jeden Einzelnen, wo wollen sie gemeinsam hin, und wie erreichen sie das? 

Vor allem ist es wichtig sich in Geduld und Toleranz zu üben. Es ist nicht immer ganz einfach, bei laufender Fahrt aus der Eskalationsspirale wieder auszusteigen. Niemand ist gefeit davor, die Fehler, die man doch eigentlich erkennen müsste, ganz sicher zu vermeiden. Auch mir geschieht es hin und wieder, dass ich mich von der Dynamik der Eskalation mitreißen lasse. Was immer wieder gerne genommen wird: Beide sind Kommunikationsprofis, beide wissen genau, wie man den andern auf die Palme bringen kann, und beide sind mal wieder außerordentlich erfolgreich gewesen damit.

 

Nicht die Dinge ansich sind es,

die uns beunruhigen,

sondern unsere Vorstellungen von den Dingen

(Epiktet 50 - ca. 130 n. Chr.)